Holz, Harz und Höhenlinien
Ein Förster zeigt Jahresringe wie Landkarten, erklärt Stürme, Trockenjahre, späte Schneenässe. Die Werkstatt riecht nach Terpentin und Leinöl, eine Latte lehnt neben der Tür, trägt Bleistiftnotizen zu Feuchte, Faserverlauf, Gewicht. Ein Lehrling klopft, hört dumpf, hell, mittel, übt das Gehör. In einer Kiste liegen Dübel aus Eiche, daneben Leisten aus Lärche für ein Boot, das erst unten am Meer geboren wird. Verbunden werden Berge und Küste nicht durch große Worte, sondern durch ein passendes Zapfenloch.
Wolle, Leinen und Flussgeschichten
Am Flussufer trocknet Leinen, im Schatten einer Brücke kämmt jemand Rohwolle, der Hund wacht über die Kardierbürsten. Eine ältere Frau klöppelt Idrija-Spitze und erzählt, wie Muster Namen tragen wie Pfade: Stern, Welle, Kreuzung. Ein Kaufmann erinnert sich, wie Ballen in Triest versteigert wurden, während Bergkäse in Körben wartete. Ein Tuch wandert zurück über den Pass, wird zur Schürze eines Schreiners, nimmt Harzflecken an und Geschichten von Fingerknöcheln, die Fäden hielten, als die Politik wieder einmal die Landkarte neu zeichnete.